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Der Beizentisch – Geschichte, Mythos und das «Original»

Der Beizentisch – Geschichte, Mythos und das «Original»

Der Beizentisch – Geschichte, Mythos und das «Original»

Der klassische Beizentisch mit Gussfuss gehört seit über hundert Jahren zur Schweizer Alltags- und Gastronomiekultur. Zusammen mit den typischen Beizenstühlen aus Bugholz prägte er über Generationen das Bild der Schweizer Gaststuben.

In Dorfbeizen, Gasthäusern und Restaurants bildeten Tisch und Stuhl eine Einheit – robust, schlicht und gemacht für den täglichen Gebrauch.

Wer sich mit Beizentischen und klassischen Beizenstühlen beschäftigt, hört früher oder später auch vom «Original», oft verbunden mit einem Herstellernamen. Doch was bedeutet dieses „Original“ eigentlich?

Die Geschichte von Beizentischen und Beizenstühlen zeigt ein spannenderes Bild.


Die Ursprünge im 19. Jahrhundert

Der typische Beizentisch mit Gussfuss entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Seine Konstruktion war einfach, robust und ideal für den Einsatz in Gaststätten:

• eine massive Holzplatte
• ein stabiler gusseiserner Fuss
• eine einfache Verschraubung

Gusseiserne Tischfüsse wurden damals in vielen kleinen und grossen Giessereien in der ganzen Schweiz hergestellt. Für kleinere Gussteile konnte häufig überschüssige Eisenschmelze genutzt werden, die bei anderen Produktionsprozessen übrig blieb.

So entstanden Tischfüsse in zahlreichen Regionen – und viele davon findet man noch heute in alten Gasthäusern oder im Antikhandel.


Die ersten Versandmöbel

Der Beizentisch gehörte zu den frühen industriell versendbaren Möbeln.

Mit nur wenigen Schrauben konnte ein Tisch komplett zerlegt werden. Dadurch liessen sich mehrere Tische platzsparend in Holzkisten verpacken und mit der damals neu entstandenen Eisenbahn in die ganze Schweiz transportieren.

Besonders in den aufkommenden Arbeiterbeizen der Industrieorte fanden diese robusten Tische schnell ihren Platz.


Die Geschichte der Bugholzstühle

Zur gleichen Zeit verbreiteten sich in Europa die bekannten Bugholzstühle.

Die Technik des Dampfbiegens von Holz wurde im 19. Jahrhundert von dem Tischler Michael Thonet entwickelt und später industriell perfektioniert. Durch das Erhitzen von Holz mit Wasserdampf konnte Massivholz gebogen und anschliessend dauerhaft in Form gebracht werden.

Diese neue Technologie machte es erstmals möglich, leichte, stabile und gleichzeitig elegante Stühle in grossen Stückzahlen zu produzieren.

Ein weiterer Vorteil war die Konstruktion: Die Stühle bestanden aus wenigen Einzelteilen und konnten zerlegt transportiert werden. Dadurch liessen sie sich – ähnlich wie die Beizentische – platzsparend verpacken und über die neu entstehenden Eisenbahnlinien in ganz Europa verschicken.

Besonders bekannt wurde der sogenannte Stuhl Nr. 14, der ab 1859 produziert wurde und als eines der ersten industriell gefertigten Möbelstücke der Welt gilt.

Bugholzstühle verbreiteten sich schnell in Cafés, Restaurants und Gasthäusern und wurden zum typischen Begleiter des Beizentisches.


Die klassische Kombination der Beizen

Aus dieser Entwicklung entstand eine Einrichtung, die bis heute als typisch für viele Gaststuben gilt:

• Beizentisch mit Gussfuss
• Bugholzstuhl

Diese Kombination war robust, praktisch und wirtschaftlich – perfekt für den intensiven Einsatz in der Gastronomie.

Viele dieser Möbel waren bewusst schlicht gestaltet, damit sie langlebig und leicht zu reparieren waren.


Kultmöbel der 1970er-Jahre

In den 1970er-Jahren erlebten Beizentische und Beizenstühle eine neue Bedeutung.

Viele alternative Veranstaltungsorte und Beizen entstanden damals in ehemaligen Arbeiterlokalen. Das vorhandene Mobiliar blieb häufig erhalten – inklusive der alten Beizentische und Bugholzstühle.

So wurden sie zum Symbol einer einfachen und authentischen Gastrokultur – als Gegenpol zur damals dominierenden Wohnkultur mit grossen Wohnwänden, Kunststoffmöbeln und Sofalandschaften.


Vom Gasthaus ins Wohnzimmer

Heute stehen Beizentische längst nicht mehr nur in Restaurants.

Man findet sie auch in:

• Wohnungen
• Lofts
• Küchen
• modernen Gastronomiebetrieben

Während historische Tische meist aus Buchenholz gefertigt waren und eine Breite von etwa 70 bis 80 cm hatten, werden moderne Beizentische heute häufig aus anderen Hölzern hergestellt.

Beliebt sind zum Beispiel:

• Eiche
• Nussbaum
• Kirschbaum

Auch die Tischbreiten sind heute häufig grösser als früher.


Mythos «Original»

Oft wird heute von einem „Original-Beizentisch“ oder „Original-Beizenstuhl“ gesprochen und dieser Begriff mit bestimmten Markennamen verbunden.

Historisch betrachtet gab es jedoch nie den einen Hersteller, der den Beizentisch oder den Beizenstuhl exklusiv erfunden hätte.

Tischfüsse wurden von verschiedenen Giessereien gefertigt, während Tischplatten meist von Schreinern oder Möbelfabriken hergestellt wurden. Auch Bugholzstühle wurden von unterschiedlichen Herstellern produziert.

Der Begriff «Original» beschreibt deshalb weniger einen bestimmten Hersteller, sondern vielmehr den klassischen Stil und die traditionelle Konstruktion, wie sie über Jahrzehnte in Schweizer Beizen verwendet wurde.


Ein Stück Schweizer Kultur

Beizentisch und Beizenstuhl sind heute mehr als nur Möbelstücke. Sie sind ein Stück Schweizer Kulturgeschichte.

Über Generationen hinweg waren sie Treffpunkt für Gespräche, Diskussionen, Spiele und gemeinsames Essen.

Und genau das macht sie bis heute aus:

Robuste Möbel, die Menschen zusammenbringen.

 

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